Silvio Berlusconi hat es sicherlich derzeit nicht leicht. Auf einmal wird Italien in einem Atemzug mit Griechenland, Irland und Spanien genant. Die Euro-Krise spitzt sich zu. Allerdings ist Italien anders. Im Gegensatz zu Griechenland und Spanien handelt es sich bei Italien um die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Ein Staatsbankrott Italiens wäre daher ganz anders zu betrachten, als die unangenehme Lage Spaniens oder ein anstehender Zahlungsausfall von Griechenland.
Ein vergleichbarer Ausfall Italiens hätte – gemessen an der Euro-Zone – biblische Ausmaße zur Folge. Ein Kreditereignis Italiens würde daher unabwendbar einen Dominoeffekt in der Euro-Zone auslösen. Mit Ausnahme von Frankreich, Deutschland und den skandinavischen Ländern könnten sich die übrigen Euro-Staaten aufgrund der dann exponential steigenden Risikoaufschläge nicht mehr tragbar refinanzieren. Und die stabileren Staaten könnten – ohne das eigene Überleben zu gefährden – niemals ein Hilfspaket für Italien schnüren.
Im Gegensatz zu Griechenland ist die Durchsetzung des 48 Milliarden schweren Sparpaketes nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern ein Soll, das schwer auf den Büchern der gesamten Euro-Zone lastet. Und Berlusconi kann es sich nicht erlauben, auch nur geringfügig vom geplanten Sparplan abzuweichen. Allerdings befindet sich die Eurozone damit in einer weiterhin ausgesprochen schlechten Ausgangslage. Während Italien einerseits eigentlich nun jeden Cent zweimal umdrehen muss, soll es sich doch andererseits an einer Stabilisierung Griechenlands beteiligen. Fehlen diese Gelder, wäre ein Hilfspaket für Griechenland nicht finanzierbar. Wenn aber Griechenland auf der anderen Seite ausfallen sollte, werden auch die Risikoprämien für die italienische Neuverschuldung sprunghaft ansteigen und den Sparplan unweigerlich zum Scheitern bringen.
Für Investoren bedeutet diese Situation daher im Augenblick ebenso eine unvorhersehbare Situation.
Im Vergleich zu den sicheren deutschen Bundesobligationen können italienische Staatsanleihen durchaus eine attraktive Anlageform darstellen. Allerdings gilt eben das geschilderte Risiko, dass die Krise nicht mehr aufgefangen werden kann, als ebenso wahrscheinlich. Für Silvio Berlusconi und seine Regierung wird es daher unglaublich wichtig werden, das beschlossene Sparpaket innerhalb der vorgegebenen Zeitziele zu erreichen. Ob dies aber möglich sein wird, bleibt abzuwarten. Wann es daher mit der Euro-Zone wieder aufwärts geht, kann nicht prognostiziert werden. Die Frage sollte auch anders gestellt werden: Wann wird sich herausstellen, ob die Euro-Zone auch weiterhin eine Zukunft hat?
Bild oben© Paul Fleet-Shutterstock.com
Share and Enjoy:
Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
Wo sollen wir da hin kommen? Die verschuldeten Länder sollen sich mal ordentlich am Riemen reissen, d.h. vernünftig haushalten und anständige Sparpakete schnüren
Deutschland kann nicht immer den Rettungsring spielen
Der Finanzfritze hat schon recht mit seiner Aussage. Aber Italien hat ja beispielsweise reagiert und den Staatsmann nummer eins abgesetzt
Aber alle Länder müssen langsam verstehen, dass man nur zusammen aus der Krise kommt. Kein gegenseitiges Bearbeiten erfolgen darf. Aber mal gucken was die Zukunft noch so bringt.
LG June